Wie wird man Stock-Model?

Stockbilder sind praktisch, schnell zu bekommen und nötig, damit das Internet nicht nur aus Textwüsten besteht. Doch hinter den freundlich lächelnden Menschen, den spielenden Kindern oder den schwitzenden Bauarbeitern stecken oft ganz andere Geschichten, als die Bilder am Anfang suggerieren. In einer aufwendigen Reportage hat der WDR nun hinter die Kulissen der Stock-Models geblickt und dabei spannende Erfahrungen gemacht.

Auf einmal ein pädophiler Dating Coach

Gunnar Krupp wollte es wissen. Der Reporter des Online-Magazins „strg+f“ stellte sich die Frage, wie es eigentlich zu Stock-Fotos kommt – und lud ein eigenes Bild kurzerhand in eine freie Bilderbörse hoch. Kurze Zeit später konnte er seine Aufnahme bereits auf dutzenden Seiten im Internet finden, unter anderem wurde er dort als der Dating-Coach Thomas Müller verkauft oder als gefährlicher Pädophiler bebildert. Einen Einfluss darauf, welche Seiten sein Bild verwenden, hat Krupp nicht. Von diesem Erlebnis überrascht, machte sich der Journalist auf die Geschichte hinter den Bildern und entdeckte dabei Licht und Schatten.

Wenn das Kinderbild zum Werbeträger für rechtsnationale Parteien wird

Besonders heftig ist dabei die Geschichte einer Familie aus Bayern. Die Aufnahme des dreijährigen Sohnes lud die Mutter auf eine Bilderbörse, in der Hoffnung, dass das eigene Kind entdeckt wird und eine Karriere als Model einschlagen kann. Stattdessen machte das Kind Karriere als Werbeträger für die rechtsnationale AfD, die dem Jungen kurzerhand per Photoshop einen Vollbart anklebte und ihn über Facebook mit dem Spruch „Mohamend ist jetzt der beliebteste Vorname“ verbreitete. Nicht nur war die Aussage frei erfunden, die Partei verletzte damit womöglich auch die Persönlichkeitsrechte des Kindes fundamental. Ein Rechtsstreit? Nicht ausgeschlossen.

Augenmaß bei der Verwendung von Stock-Bildern

Gunnar Krupp zeigt mit seiner Reportage, dass bei der Verwendung von Stockbildern immer auch Augenmaß gefragt ist – und wie schnell die praktischen Bilder missbraucht werden können. Vor allem Anwender stehen hier in der Pflicht, verantwortungsvoll mit den Bildern umzugehen.